Kriterien der Saitenwahl

Oft werden einige hunderte Euro für einen neuen Schlägerrahmen ausgegeben, doch der Tennissaite wird oft nicht die Beachtung geschenkt, die sie allemal verdient hat. Schaut man in die Welt der Profis, sieht das anders aus. Der Tennisschläger wird während eines Grand Slam bis zu vier Mal während eines einzigen Matches gewechselt. Dies geschieht jedoch nicht, weil der Tennisschläger an sich ermüdet. Der Schläger wird nur aufgrund der Tennissaite gewechselt. Alleine an dieser Tatsache kann festgestellt werden, dass die Tennissaite eine enorm wichtige Rolle spielt.

Elastizität

Was macht eine Tennissaite zu einer guten Saite? Die Aufgabe der Tennissaite ist es, die Energie des Balles zu absorbieren, die Energie zu speichern und diese dann wieder an den Tennisball zurück zu geben. Eine steife Tennissaite kann sich dabei nicht so stark dehnen wie eine weichere. Der Ball wird daher mehr deformiert und es wird mehr Energie in Wärme umgewandelt, die dann nicht mehr für den Rebound zur Verfügung steht. Wichtig ist die Dehnung, wenn eine Tennissaite quer verlaufend belastet wird. Diese bestimmt wie sehr sich die Saite auslenken lässt, wenn man eine bestimmte Kraft seitwärts anbringt. Wenn sich eine Tennissaite der länge nach mehr dehnt, wird sie dies auch Querweise tun. Unterschiedliche Tennissaiten werden sich bei einem geringen Gewicht ungefähr gleich dehnen, weil die Dehnung dann zu gering ist verglichen mit der Gesamtlänge der Tennissaite. Bei höheren Dehnungen aber, wie sie typisch bei dem auftreffen eines Tennisballs sind, wird eine weichere Tennissaite sich mehr dehnen als eine steifere Saite. Der Vorteil einer Naturdarmseite ist hierbei, dass sie sich sehr konstant dehnt. Hängt man ein Gewicht an eine Naturdarmsaite, wird sie sich im Verlauf der Zeit im gleichen Verhältnis dehnen. Eine Kunststoffsaite verhält sich anders. Sie wird sich zuerst langsamer dehnen, anschließend sich jedoch immer schneller verfestigen.

Haltbarkeit

Im Gegensatz zur Elastizität steht die Haltbarkeit einer Tennissaite. Natürlich wäre es möglich, eine Tennissaite so elastisch wie möglich zu machen. Wenn diese aber nach 5 Minuten reißen würde, wäre sie für den Einsatz während einem Spiel nicht gut zu gebrauchen. Bei der Tennissaite gilt also immer folgender Kompromiss: Mehr Haltbarkeit oder mehr Elastizität.

 

Zusammensetzung

Tennissaiten sind anders gebaut, als das was man aus dem alltäglichen Gebrauch kennt. Der Grund liegt im Aufbau der Atome. Bei Metallen sind die Atome in einem Kristallgitter angeordnet. Metalle wie wir wissen, haben eine sehr hohe Festigkeit. Das liegt vor allem daran, dass jedes Atom einen direkten Nachbarn hat und so starke Verbindungen eingehen kann.

Der Atomaufbau von Tennissaiten dagegen sind nicht aus einheitlichen geometrischen Strukturen. Sie sind angeordnet aus zusammengeführten Molekülketten. Ein Molekül ist dabei eine Gruppe aus Atomen. Diese können in verschiedenen Winkeln, Verschränkungen und Anordnungen mit deren Nachbarn stattfinden.

Die Anordnung der Moleküle entscheidet dabei darüber, ob eine Tennissaite elastisch ist oder nicht. Je geordneter die Atome angebracht werden, desto unflexibler ist sie. Dann gleicht sie immer mehr der Gitterstruktur eines Metalls, welches wie wir wissen, nicht elastisch ist. Die übergeordnete Gruppe der Kunstsaiten nennet sich Polymere. „Poly“ steht für mehr und das „mer“ steht für Unit. Übersetzt: „viele Einheiten“.

Warum die Tennissaite reißt

Aus dieser Tatsache lässt sich ableiten, warum eine Tennissaite reißt. Je nach Ausgangsspannung und Belastung wird sich die Tennissaite immer mehr verfestigen. Das geschieht durch die Änderung an der Molekülstruktur. Die Molekülketten ordnen sich immer uniformer an, bis die Struktur sich so verfestigt hat, dass bei einer weiteren Belastung die Tennissaite bricht.

Eine Kunstsaite ist Plastik

Der schwierigste und am höchsten entwickelte Prozess bei der Herstellung von Kunstsaiten ist die Kunststoffgewinnung aus Öl. Durch ein chemisches Verfahren, der Polymerisation, wird die Struktur des Öls zu einem Kunststoff. Darauf haben sich nicht einmal eine Handvoll großer Konzerne wie DuPont oder Bayer konzentriert. Sie verarbeiten Öl zu Harzen. Diese gelangen in Form von Pallets oder Granulat zu den Herstellern von Tennissaiten. So entsteht aus einst Öl, Materialien wie Nylon, PEEK, Polyester oder Kevlar®. Auch die Weiterverarbeitung zu einer Tennissaite findet in spezialisierten Fertigungsbetrieben statt. Davon mag es auch nicht mehr als eine Handvoll davon geben. Genauso wie 80 % aller Fahrräder auf dem Markt aus der ein und selben Fabrik kommen; werden auch Tennissaiten in den ein und selben Fabriken gefertigt. Die großen Marken haben dabei spezielle Verträge mit den Fabriken, um so ihren Wettbewerbsvorteil durch neue Technologien zu sichern. Bei der Saitenwahl gilt daher, gezielt nach den Eigenschaften, Aufbau und Materialien einer Tennissaite zu schauen. Diese werden im folgenden genauer beschrieben.

Naturdarmsaiten

 

Naturdarmsaiten heißen im Englischen „Natural Gut“. Gut steht für dabei für den Darm. Naturmdarmsaiten werden aus Därmen von Tieren hergestellt. Es wird vor allem die dehnbare Außenhaut des Darms, die sogenannten Serosa verwendet. Diese ist glatt, glänzend und beinahe transparent. Die ersten Tennissaiten wurden aus dem Darm von Schafen hergestellt. Eine Kunstfaser konnte zu dieser Zeit schlicht weg noch nicht produziert werden. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es einen Mangel an Schafdärmen und so wurde nach Alternativen gesucht. Es wurde der Darm vom Schwein, Pferd, von Kühen und Rindern, sogar vom Wal verwendet. Mittlerweile werden aber am häufigsten Därme von Rindern – und Kühen verwendet. Ein Rinderdarm ist in etwa 35-50 Meter lang. Laut verschiedenen Quellen wird für eine Tennissaite ca. 2,5 – 4 kg Rinderdarm (Serosa) benötigt, was in etwa 3 Rindern entspricht.

Die Därme werden eingeweicht und in einem chemischen Bad gereinigt, um Verunreinigungen zu entfernen. Oft werden sie anschließend gebleicht, um eine bestimmte Tönung zu erhalten. Die einzelnen Stränge werden anschließend gedreht und langsam getrocknet. Nach dem trocknen werden sie poliert, um eine glatte Struktur und den passenden Durchmesser zu erhalten. Der letzte Schritt ist das Aufbringen einer Schutzschicht, um sie haltbarer und witterungsbeständiger zu machen.

Vorteile:

  • Hohe Beschleunigung

  • Elastizität

  • Spannungsstabil

Naturdarmsaite – Koste es was es wolle?

Noch immer gilt die Naturdarmsaite als die beste Tennissaite überhaupt. Das Nonplusultra der Tennissaiten. Kaum einer stellt diese Tatsache jedoch in Frage. Naturdarmsaiten werden überwiegend von Profis verwendet. Für alle anderen lohnt es sich meist nicht eine Naturdarmsaite zu wählen. Auch die Profis spielen die Saiten meist als Hybrid-Besaitung. Das bedeutet, es wird für eine Besaitung zwei unterschiedliche Tennissaiten verwendet. Meistens wird dann die Längssaiten durch eine haltbarere Kunstsaite ersetzt, da die Längssaite häufiger reist.

Wann ist eine Naturdarmsaite elastischer? Sie ist nur dann elastischer, wenn sie mit einer Kunstsaite mit dem selben Durchmesser verglichen wird. Jedoch kann heute aus hervorragenden Kunstsaiten ausgewählt werden, wobei auch kleinere Durchmesser möglich sind. Eine multifile Tennissaite zum Beispiel kann mit einem kleineren Durchmesser elastischer sein als eine Naturdarmsaite und so die selben idealen Spieleigenschaften besitzen. Es kommt hinzu, dass Naturdarmsaiten einige Nachteile mit sich bringen:

  • geringe Haltbarkeit

  • sehr Witterungsempfindlich

  • aufwändige Besaitung

  • aufwändige Pflege der Saiten

  • Preis

Kunstsaiten

Mit der Entwicklung der synthetischen Tennissaiten, war einst das Ziel, die Eigenschaften der Kunstsaite, an die Eigenschaften der Naturdarmsaiten anzugleichen, ohne dabei aber einen Kostenvorteil zu verlieren. Beim Herstellungsprozess wird das Ausgangsmaterial (Granulat) erhitzt und durch Düsen gepresst. Dieser Vorgang nennt sich Extrusion. Es tritt entweder als einzige feste Faser (Monofilament) oder bis zu hunderte kleine verwobene Fasern (Multifilament) aus der Düse aus. Nach dem Austritt verfestigen sich die Fasern wieder mit dem Abkühlungsprozess. Oft gleiten die Kunststoffäden dabei durch ein Ölbad, um schonender abgekühlt zu werden und somit bessere Spieleigenschaften zu erhalten. Im Anschluss kann die Saite weiterbearbeitet werden. Das können unterschiedliche Nachbearbeitungsschritte sein. Einige Anbieter lassen die Tennissaiten noch in eine bestimmte Form bringen. Dies geschieht meist in einem zweiten separaten Arbeitsschritt, indem die Saiten durch Walzen laufen. Die Tennissaite nimmt so eine bestimme Form, z.B: mehreckig, Blumenmuster, usw. an. Kunstsaiten werden aufgrund ihrer vielen Vorteile sowohl von Hobby – als auch Profispieler gespielt.

Vorteile der Kunstsaiten:

  • Gute Elastizität

  • Witterungsbeständig

  • Haltbarkeit

  • Preis

  • Einfache Besaitung

Bauweise und Querschnitt

 

Synthetische Tennissaiten lassen sich in weitere Unterkategorien einteilen. Der Hauptunterschied besteht in der Bauweise der Tennissaiten. Eine monofile Tennissaite besteht aus nur einer Faser. Eine multifile Tennissaite dagegen, wird aus vielen Fasern zu einer Tennissaite miteinander verwoben und verzwirnt.

 

Mono = einzig
Multi = viele
Filament = eine Faser beliebiger Länge

Monofile Tennissaiten

Monofile Tennissaiten sind im Verhältnis zu allen anderen Saiten einfach konstruiert. Aufgrund der einfachen Konstruktion und der vielen Vorteile sind sie die am meisten angebotenen und gespielten Tennissaiten. Man könnte vermuten, dass monofile Tennissaiten vor allem bei Hobbyspielern zum Einsatz kommen. Das ist richtig. Aber nicht nur Hobbyspieler greifen auf die monofile Tennissaiten zurück, sondern auch sehr viele Profi-Tennisspieler.

Vorteile einer monofilen Tennissaite

  • Haltbarkeit

  • Preis

Nachteile einer monofilen Tennissaite

  • Elastizität

Multifile Tennissaiten

Multifile Tennissaiten sind dagegen aufwendiger konstruiert. Multifile Tennissaiten bestehen aus mehreren Strängen. Durch die vielen einzelnen Stränge hat sie aber eine höhere Elastizität.

 

Vorteile einer multifilen Tennissaite

  • Armschonung

  • Elastizität

 

Nachteile einer multifilen Tennissaite

  • Haltbarkeit

  • Preis

„Synthetic Gut“

Da es eine ständige Weiterentwicklung und Forschung im Bereich der synthetischen Tennissaiten gibt, treten auch immer weitere verschiedene Variationen hervor. Neben sehr komplexen Bauweisen haben sich zudem „Synthetic Gut“ Tennissaiten etabliert. Diese haben einen monofilen Kern und sind von dünneren Fasern (Multifilamenten) ummantelt. Der Kern besteht meist aus Polyamid (Nylon) und ist sehr elastisch. Dieser elastische, monofile Kern wird von feinen Strängen umschlossen, um so den Kern zu schützen und die Haltbarkeit zu erhöhen.

Geometrische Saiten

Durch meist einen weiteren Bearbeitungsschritt werden die Tennissaiten in eine bestimmte Form gebracht, z. B. mehreckig, elliptisch, zahnradförmig oder blumenförmig. Durch die Geometrie der Tennissaiten wird jeweils versucht, bestimmte Spieleigenschaften hervorzurufen. Die mehreckigen Tennissaiten stehen für mehr Spin. Die Kanten greifen sich besser in den Ball, was dem Tennisball mehr Spin verleiht. Allerdings ist bei diesen Saiten auch die Reibung zwischen den Saiten erhöht, was den Snap-Back Effekt abschwächt. Es kommt hinzu, dass sich jede Saite abnutzt. Gerade bei nicht runden Saiten, nutzen Sich die Ausformungen schneller ab. Die Effekte stehen auch im Widerspruch zu den hervorragenden Eigenschaften einer Naturdarmsaite.

 

Material

Bei der Naturdarmsaite stellt sich nicht die Frage nach dem Material. Das Material ist der Darm. Bei den Kunstsaiten gibt es unterschiedliche Materialien. Das Material ist dabei so entscheiden, dass Tennissaiten meist anhand den Materialien kategorisiert werden. So werden die Tennissaiten in Naturdarmsaiten, Nylon, Polys, usw. gegliedert. Dabei lassen sich aber mit den unterschiedlichen Materialien auch unterschiedliche Tennissaiten herstellen. Mono – oder Multifile, strukturiert und mit verschiedenen Profilen. Hier ist eine Auflistung der vorhandenen Materialien. Dabei ist zu beachten, dass eine Fertige Tennissaite oft aus unterschiedlichen Materialien gemischt sind. Die Mischungen werden genutzt, um wieder bestimmte Schwächen eines Materials auszugleichen.

Polyamide (Nylon)

Der Handelsname von Nylon ist Polyamid. Nylon ist auch bekannt aus der Textilindustrie wo sie ebenfalls seit Jahrzehnten zum Einsatz kommt. Die einfachste Nylonsaiten bestehen aus einem monofilen Kern und einem widerstandsfähigen Mantel.

Polyester

Polyestersaiten bestehen ebenfalls aus einem Strang und evtl. einer sehr dünnen Beschichtung. Polyestersaiten sind die am häufigsten zum Einsatz kommenden Tennissaiten. Die Polyestersaiten werden meist aus einem Kunststoff names PET hergestellt. Diese ist den meisten auch von den PET-Flaschen her bekannt. Dieser Saitentyp kommt gerade auch im Profisport immer häufiger zum Einsatz. So spielen laut Luxilon, im Jahr 2017 mehr als 75 % aller Profis auf der Tour ihre Poleyster Tennissaite.

Co-Polyester

Eine Co-Polyester Saite unterscheidet sich in der Anordnung der chemischen Eigenschaften. So hat eine Co-Polyester Tennissaite mehr als eine wiederholende Einheit in der Polymerkette. Das geschieht während des Polymerisationsverfahren. Hergestellt werden diese Saiten um bestimmte Vorteile gegenüber einer reinen Polyestersaite zu erhalten. So sind diese trotz der hohen Haltbarkeit auch ausreichend elastisch.

Aramide (Kevlar, Twaron, Tecnora)

Aramide sind sehr widerstandsfähige und reißfeste Materialien. Vielen sind die Materialien aus der Familie der Aramide zum Beispiel auch aus kugelsicheren Westen bekannt. Die Tennissaiten werden aber nicht aus reinem Aramid hergestellt. Es sind meist nur Bestandteile in weiteren Kombinationen.

PEEK (Zyex)

Tennissaiten aus Zyex sind genauso wie die Polyestersaiten meistens aus einem Strang gefertigt. Sie kommen aber auch bei multifilamenten Tennissaiten zum Einsatz.

 

Durchmesser

Mit dem Durchmesser der Tennissaite können die Spieleigenschaften einer Tennissaite nochmals geändert werden. Es gilt daher auch die richtige Entscheidung in Bezug auf den Durchmesser zu treffen. Eigentlich müsste man von dem Querschnitt einer Tennissaite sprechen. Der Querschnitt ist das, was man sieht, wenn man die Tennissaite einmal durchschneiden würde. Dieser bestimmt die Haltbarkeit, Elastizität und das Dehnungsverhalten der Tennissaite. Die Elastizität einer Tennissaite steigt, je kleiner der Durchmesser ist. Umso mehr wird sich die Saite dehnen. Es gilt also, dass dünnere Tennissaite sich besser spielen lassen, wobei aber die Haltbarkeit leidet.

Elastizität vs. Haltbarkeit

Bei dem Durchmesser gilt es also ein Kompromiss zwischen dem Durchmesser und der Elastizität zu machen.

Dünne Tennissaiten = Mehr Elastizität
Dickere Tennissaiten = Mehr Haltbarkeit

Größen

Die gängigste und einfachste Größe im deutschsprachigen Raum ist die Maßangabe in Millimeter. Dabei wird der Durchmesser der Tennissaite angegeben. Bei einigen Herstellern ist auch immer wieder der Gauge-Wert zu sehen. Das ist ein U.S. Standard der angibt, wie viel Dicker die Tennissaite zu der nächst kleineren Größe ist. Je kleiner der Gauge-Werte, desto dicker ist die Tennissaite. Gauge 15 ist 12% dicker als Gauge 16. Gauge 16 ist 11% dicker als 17, usw. Der Buchstabe „L“ hinter einem Zahlenwert bedeutet dabei, dass er sich zwischen zwei Werten befindet. 15L ist zwischen 15 und 16. Auch hier gibt es keine Normung, weshalb die Gauge-Werte von Hersteller zu Hersteller leicht abweichen können.

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