System

Der perfekte Tennisschläger ist ein Zusammenspiel von Schlägerrahmen, der Tennissaite und der passenden Besaitungshärte. Sie stehen in einer Wechselwirkung. Sobald ein Bestandteil geändert wird, ändert sich auch unmittelbar das gesamte System.

Saitenbett​

 

Für die unterschiedlichen Spieleigenschaften ist tatsächlich vor allem das Saitenbett maßgeblich. Je nachdem, ob es weicher oder härter ist, ändern sich die Spieleigenschaften direkt. Intuitiv könnte man meinen, dass es sich gar nicht so kompliziert verhält. So wird oft angenommen, dass für die Härte des Saitenbett hauptsächlich die Besaitungshärte entscheidend ist. Zugegeben ist das am offensichtlichsten. Tatsächlich verhält es sich aber doch etwas komplexer. Denn die Härte des Saitenbetts hängt von vielen Faktoren ab, wie der Form und Größe des Schlägerkopfs, das Saitenbild, die Rahmenhärte, die Tennissaiten mit Material, Bauweise und Durchmesser.

Das Saitenbett beschreibt die gesamte Schlagfläche eines Tennisschlägers. Von einem Saitenbett reden wir aber erst dann, wenn die Tennissaite in den Rahmen eingewoben ist und auf Spannung gebracht wurde.

Bevor wir genauer auf die Spieleigenschaften eingeben, schauen wir uns zunächst die Gesetzmäßigkeiten eines Saitenbetts genauer an. Denn das Saitenbett ist der einzige Teil des Tennisschlägers, der mit dem Ball in Kontakt kommt und hat daher eine besondere Bedeutung für unser Tennisspiel.

Das Saitenbett ist eine progressive Feder

Das Saitenbett kann als eine Feder beschrieben werden. Trifft der Ball auf dem Saitenbett auf, so federt dieses und lässt den Ball wieder zurückprallen. Eine Feder wird sich immer um einen bestimmten Betrag dehnen und anschließend wieder in die Ausgangsform zurückkehren. So auch das Saitenbett. Anders als oft angenommen, verhält sich das Saitenbild nicht wie eine ideale Feder, die sich linear dehnt. Um das Saitenbett nur einen Millimeter einzudrücken, ist eine verhältnismäßig geringe Kraft notwendig. Der Unterschied zur idealen Feder liegt jedoch darin, dass die Kraft die nötig wird, um es jeden weiteren Millimeter einzudrücken, sich progressiv steigert. Das heißt, die Kraft, um das Saitenbett um zwei Zentimeter einzudrücken ist nicht doppelt so groß, wie die Kraft, das Saitenbett um nur einen Zentimeter einzudrücken.

Limiter-Effekt*

Wenn das Saitenbett mit jedem Millimeter härter wird ist ein weiteres Eindrücken ab einem bestimmten Wert nicht mehr möglich. So ist bei einem Saitenbett irgendwann ein Extrem erreicht. Es ist genau an dem Punkt erreicht, an dem die benötigte Kraft um es noch einen Millimeter einzudrücken, so groß wird, dass sie einfach nicht mehr aufgewendet werden kann. 

Besonders in Hinsicht der Zuschlaggeschwindigkeit spielt dies eine Rolle. Denn umso härter zugeschlagen wird, umso schneller wird das Extrem erreicht. Es gibt also ein gewisses Limit, das nicht überwunden werden kann. Diese progressive Eigenschaft des Saitenbetts kann als Limiter-Effekt bezeichnet werden. Meistens wird davon gesprochen, dass ein Tennisschläger die größte mögliche Power erzeugen soll. Dies ist aber nicht immer erwünscht. Gerade bei Turnierspielern, würde durch die schnelle Zuschlaggeschwindigkeit die länge nur noch schwer zu kontrollieren sein.

Durch den Limiter-Effekt, erhält man eine gewisse Sicherheit in Bezug auf die Länge der Bälle. Gerade durch diesen Effekt, ist es irgendwann nicht mehr möglich, die Bälle noch schneller zu beschleunigen. So kann der Tennisball in Bezug auf die Fluglänge in einem bestimmten Limit gehalten werden.

Der Limiter-Effekt sorgt auch dafür, dass sich vermeintlich gleiche Konfigurationen, sich unterschiedlich verhalten. So werden sich auch diese beiden Optionen anders verhalten:

(A) Eine elastische Tennissaite hart besaitet
(B) Eine unelastische Tennissaite weich besaitet

Bei der Option (B) wird das Extrem beim Eindrücken früher erreicht, als bei der Option (A). Eine unelastische Saite weich bespannt, gibt bei geringerer Zuschlaggeschwindigkeit ein elastisches Saitenbett. Bei einer schnellen Schlagbewegung wird das Saitenbett jedoch automatisch zunehmend härter.

 

Es kommt hinzu, dass der Kopf eines Tennisschlägers im Vergleich zu den Holzschlägern immer größer geworden ist. Die Saiten in Längs- und Querrichtung sind daher auch verhältnismäßig länger geworden. Durch diese verändernde Geometrie wird das Extrem beim Eindrücken nochmals früher erreicht. Gerade auch in Hinsicht der Schlägerkopfgröße muss dies Berücksichtigung finden.

 

* Der Begriff des Limitereffekts wurde von Herr Dr. Hillmer festgelegt. In diesem Artikel setzt er sich ausführlich mit den Federeigenschaften eines Saitenbetts auseinander. (http://tennisfragen.de/schlager-richtig-besaiten-aussagekraft-des-dt-wertes/)

DT-Wert

Es gibt verschiedene Messmethoden um die Härte des Saitenbetts zu bestimmen. Eine davon ist den DT-Wert zu messen. DT steht für Dynamic Tension. Der DT-Wert gibt an, wie viel Kraft benötigt wird, um das Saitenbett um einen Zentimeter einzudrücken. Um den DT-Wert zu bestimmen, gibt es ebenfalls verschiedene Messgeräte. Dies geschieht entweder mechanisch oder indem das Saitenbett in Schwingungen versetzen wird und so der DT-Wert rechnerisch ermitteln wird. Ein Kritikpuntk ist jedoch, dass auch bei gleichem DT-Wert ein Saitenbett sich unterschiedlich verhalten kann. So haben die beiden zuvor unter Limiter-Effekt genannten Optionen den selben DT-Wert, werden sich aber aufgrund der progressiven Federeigenschaft unterschiedlich spielen. Deshalb ist der Begriff Dynamic Tension etwas irreführend. Die einzige dynamische Messmethode wäre tatsächlich auf dem Tennisplatz zu messen um somit auch die Federeigenschaft des Saitenbetts zu berücksichtigen. Zum Vergleich oder dem exakten Abstimmen der eigenen Tennisschläger auf die selben Eigenschaften, ist es aber durchaus ein sehr wertvoller Wert.

Trampolin-Effekt

Der Begriff Trampolin-Effekt hat sich im Tennis weit verbreitet. Er dient zur Vorstellung des Saitenbetts als eine Art Trampolin. Ähnlich wie der Springer in das Trampolin eintaucht, taucht auch der Ball in das Saitenbett ein und wird wieder mit Kraft zurückspringen. Von einem geringen Trampolineffekt ist die Rede, wenn das Saitenbett nicht sehr nachgibt und der Ball weniger tief eintauchen kann. Ist der Trampolin-Effekt groß, ist die resultierende Ballbeschleunigung hoch. Es wird weniger Energie in der Deformation der Saiten und vor allem des Tennisballs vernichtet. Ein großer Trampolin-Effekt steht aber auch für weniger Kontrolle, denn wenn der Ball nicht zentral getroffen wird, ändert sich der Ausfallwinkel und der Ball unterliegt einer größeren Streuung. Ein Kritikpunkt an dem Trampolin-Effekt ist, dass es keine Messgröße gibt den Effekt zu beschreiben. Es bleibt also nur zu argumentieren, ob ein Tennisschläger einen kleinen oder einen großen Trampolin-Effekt besitzt. Wir werden aber im übernächsten Absatz die Rebound Power kennenlernen und sehen, dass dies die zutreffendere Methode ist, einen Tennisschläger in Hinsicht der Möglichkeit der Ballbeschleunigung zu beschreiben.

Kontaktzeit

 

Bei jedem Schlag trifft der Tennisball auf dem Saitenbett auf, deformiert sich und prallt wieder zurück. Der Tennisball hat dabei eine bestimmte Kontaktzeit mit dem Saitenbett. Die Kontaktzeit beschreibt die Zeit, die für diesen Vorgang notwendig ist. Mit ihr lässt sich zum Beispiel das Ballgefühl perfekt beschrieben. Was schätzen Sie, wie lange ein Kontakt zwischen dem Tennisball und dem Saitenbett ist? Lösung am Ende der Seite.

  1. Zwei hundertstel Sekunden (0,02 Sekunden)

  2. Eine halbe Sekunde (0,5 Sekunden)

  3. Fünf tausendstel Sekunden (0,005 Sekunden)

Unglaublich! All das passiert in dieser unglaublich kurzen Zeit. Ändern sich keine Eigenschaften am Tennisschläger selbst, kann die Kontaktzeit nur durch die Zuschlaggeschwindigkeit verkürzt werden.

 

Manchmal wird dazu geraten, den Schläger bei einer Schwungbewegung weiterzuführen, sodass der Tennisball länger auf dem Saitenbett verweilt. Der Vorteil dabei wäre, dass so der Ball länger beeinflusst und dem Ball so die richtige Richtung beigebracht werden kann. Aber in diesem Bruchteil einer Sekunde, kann durch das weiterführen die Kontaktzeit nicht beeinflusst werden. Wir können demnach folgendes festhalten. Der Fehler ist bereits dann passiert, sobald der Tennisball das erste mal mit dem Saitenbett in Kontakt kommt. Sobald der Ball auf dem Saitenbett auftrifft, kann der Tennisschläger nicht mehr schneller oder langsamer geschwungen werden. Der Ball kann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr beeinflusst werden. Während dieser Zeit ist ein Tennisspieler machtlos noch irgendetwas an seinem Schlag zu korrigieren. Es kommt immer darauf an, was vor dem Auftreffen des Balles passiert, denn dies hat sehr wohl einen Einfluss auf die Kontaktzeit.

Kontaktdistanz

 

Während dieser enorm kurzen Zeit, wandert der Tennisball über eine bestimmte Entfernung auf dem Tennisschläger mit. Bei einer Zuschlagbewegung wird der Schläger in einem bestimmten Radius geschwungen. Der Radius ergibt sich dabei aus dem Mittelpunkt der Schulter. Über welche Distanz wandert aber der Tennisball auf dem Tennisschläger mit?

Abbildung:
Bei einer Zuschlagbewegung bewegt sich auch der Tennisschläger mit. Der Radius wird bestimmt durch die Schulter, Arm und Handgelenk.

Berechnung: Ein Tennisschläger wird auf 80 km/h beschleunigt. Das entspricht 14 Metern pro Sekunde. Wie wir bereits wissen, hat der Tennisball eine Kontaktzeit von 0,005 Sekunden.

14 Meter/ Sekunde x 0,005 Sekunde = 0,07 Meter 

Der Tennisball wandert über eine Distanz von etwa 7 Zentimeter bei einem Grundschlag mit. Dies hat einen sehr großen Einfluss auf die Kontrolle des Tennisballs. Nur eine Millisekunde ändert dabei die Kontaktdistanz erheblich. Wir werden dazu später noch eine weitere Berechnung anstellen.

Rebound Power

 

Die Rebound Power wurde schon im Abschnitt des Trampolin-Effekts angekündigt. Der Rebound beschreibt das Zurückprallen des Tennisballs vom Saitenbett. Als Power wird die Möglichkeit eines Tennisschlägers bezeichnet, den Ball so schnell wie möglich zu beschleunigen. In einem Tennisschläger ist lediglich eine Power eingebaut. Und genau diese kann mit Hilfe der Rebound Power exakt bestimmt werden.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass mehr Power immer eins bedeutet: weniger Energie vernichten. Denn alle Energie, die dem Tennisschläger zur Verfügung steht, ist bereits vor dem Auftreffen des Balles da. Ein Tennisschläger produziert also keine Energie, er vernichtet sie. Ein Tennisschläger mit einer hohen Rebound Power schafft es am besten, am wenigsten Energie zu vernichten. Die Rebound Power gibt dabei an, wie hoch der Tennisball zurückspringt, wenn er aus einer bestimmte Höhe auf das Saitenbett auftrifft.

Die Messgröße Rebound Power

Als einzige Größe überhaupt vereint die Rebound Power alle Eigenschaften eines Tennisschlägers. So fließen alle Bestandteile wie Gewicht, Balance, Rahmenhärte, Kopfgröße, Saitenbild, Tennissaite und Härte des Saitenbetts mit ein. Alle diese Faktoren beeinflussen direkt die Rebound Power eines Tennisschlägers. Es wäre damit möglich, nur anhand der Rebound Power, Tennisschläger direkt miteinander zu vergleichen. Misst man die Rebound Power an unterschiedlichen Stellen könnte man von jedem Tennisschläger eine Karte erstellen. Mit Hilfe dieser Karte wäre man in der Lage, jedes beliebige Schlägermodell direkt miteinander zu vergleichen und das beste daraus auszuwählen. Leider finden Sie diese Angaben von keinem Anbieter. Sie können aber selber nachmessen.

Rebound Power messen

Die Rebound Power vereint alle Eigenschaften eines Tennisschlägers und ist die eine und gleichzeitig einzige Power, die in einem Tennisschläger eingebaut ist. Um die Rebound Power zu messen, wird ein Ball aus einer bestimmten Höhe auf das Saitenbett fallen gelassen, diese Höhe bezeichnen wir als Drop Höhe. Der Tennisball trifft auf dem Saitenbett auf und prallt auf eine bestimmte Höhe zurück. Das zurückprallen ist der Rebound, daher bezeichnen wir die zweite Höhe als Rebound Höhe. Das Verhältnis aus der Rebound Höhe und der Drop Höhe ist unsere Rebound Power. Die Formel zur Berechnung der Rebound Power:

In der folgenden Abbildung wird ein Tennisball aus einer Höhe von 50 Zentimeter fallen gelassen und springt auf 8 Zentimeter zurück. Im Randbereich dagegen, wird der Ball nicht auf die selbe Höhe zurückspringen. Im Randbereich prallt der Tennisball in diesem Beispiel auf 0,5 Zentimeter zurück.

Abbildung:
Beispiel zur Berechnung der Rebound Power eines Tennisschlägers.

Die Berechnung der Rebound Power:

Je höher die Zahl ist, desto größer ist die Rebound Power. Ein Tennisschläger mit einer hohen Zahl wird mehr Power generieren als bei einem Tennisschläger, bei der diese Zahl kleiner ist. An dem Beispiel können folgende Details festhalten:

  • Der Ball springt nicht auf die gleiche Höhe zurück, aus der er gefallen ist.

  • Je nach dem Bereich, auf dem der Ball auf dem Saitenbett auftrifft, springt er auf eine unterschiedliche Höhe zurück.

Sie ahnen wahrscheinlich schon, dass diese Messgröße, die bedeutendste ist, wenn es um die Spieleigenschaften Power geht. Welche Auswirkungen die Rebound Power genau auf die Spielweise eines Tennisschlägers hat, wird im Kapitel Spieleigenschaften ausführlich erklärt.

Rebound Power ist konstant

Um Sie auf die weiteren Kapitel vorzubereiten, ist noch eine Betrachtung von Wichtigkeit. Die Rebound Power ändert sich nicht, ob der Tennisschläger schnell oder langsam geschwungen wird. Dazu eine Berechnung.

Nimmt man an dass die Rebound Power eines Tennisschlägers bei exakt 0,4 liegt, lässt sich folgendes feststellen. Trifft ein Ball mit 90 km/h auf einen Tennisschläger der sich nicht bewegt, wird der Tennisball mit einer Geschwindigkeit von 36 km/h zurückprallen.

Was passiert nun, wenn anstatt dem Ball, der Tennisschläger auf 90 km/h beschleunigt wird? Ist es das selbe und wird der Ball ebenfalls mit 36 km/h zurückprallen? Das ist nicht so. Denn die Geschwindigkeit aus dem ersten Beispiel muss zu der Schlägergeschwindigkeit addiert werden. Das ergibt eine Ballgeschwindigkeit von 36 km/h + 90 km/h = 126 km/h.

Tabelle (Vereinfachte Darstellung):

Die Rebound Geschwindigkeit muss zu der Geschwindigkeit eines bewegenden Tennisschlägers addiert werden.

Sweetspot

 

Gerade die Anbieter von Tennisschläger benutzen diesen Begriff gerne, um ihre Modell zu bewerben. So ist der Sweetspot fast schon zu einem Modewort geworden. Dabei wird der Sweetspot meistens darauf reduziert, dass ein Tennisschläger einen großen Sweetspot hat oder einfach nur einen besseren. Hört man sich die Aussagen der Tennisspieler an, so scheint eines klar zu sein: Der Sweetspot ist der Punkt, an dem sich der Schlag am besten anfühlt. Alleine der Begriff lässt darauf vermuten, dass hier irgendetwas Sweet, auf Deutsch Süß sein muss. Und Süß ist, wie wir alle wissen, immer sehr verlockend. Reduziert man den Sweetspot auf sein wesentliches, so muss hier irgendetwas besser sein, als sonst wo auf dem Saitenbett. Nun drehen wir den Spieß einmal um. Was ist, wenn der Ball nicht im Sweetspot getroffen wird? Fühlt der Schlag sich dann Sauer an? Anders ist es tatsächlich. Der Spieler bekommt eine direkte und spürbare Rückmeldung. Oft macht es sich auch an der Reboundgeschwindigkeit des Tennisballs bemerkbar. Der Ball landet im Netz oder springt nur wenige Meter vor den eigenen Füßen wieder auf. Hier wurde der Tennisball ganz bestimmt nicht inmitten des Sweetspot getroffen.

Es gibt nicht nur einen Sweetspot

Als wäre die ganze Sache nicht schon komplex genug gibt es auch noch mehr als einen Sweetspot. Es gibt gleich drei von dieser Sorte. Wie Sie gleich erfahren werden, sind es zudem noch drei unterschiedliche Stellen auf dem Saitenbett.

Abbildung:
Auf einem Saitenbett gibt es drei unterschiedliche Stellen, die als Sweetspot bezeichnet werden können.

Powerspot

Bei dem Powerspot geht es um exakt das, was der Name verspricht. Um Power. Power meint damit die Eigenschaft, den Ball so schnell wie möglich zu beschleunigen. Der Abschnitt Rebound Power hat es eigentlich schon vorweggenommen. Denn an diesem Punkt auf dem Saitenbett ist die Rebound Power am größten. An diesem Punkt wird die meiste Energie umgewandelt und somit an den Tennisball zurückgegeben. Das ist der Powerspot. Wird der Tennisball nur wenige Zentimeter außerhalb des Powerspots getroffen, so ist die resultierende Ballbeschleunigung anders. Wenn das schneller passiert, dann ist der Powerspot eher klein und der Tennisschläger schwieriger zu spielen. Anders aber wenn der Ball nicht sauber getroffen wird, der Ball aber trotzdem eine hohe Beschleunigung bekommt. Dann redet man von einem großen Powerspot. Generell gilt, desto weiter unten der Ball getroffen wird, desto höher ist die Rebound Power. Je weiter oben der Ball getroffen wird oder zu den Seiten nach links und rechts, gibt es weniger Power. Wird an diesem Punkt auch die höchste Power generiert? Einfach wäre es den Ball immer exakt im Powerspot zu treffen und somit jederzeit die höchste Ballbeschleunigung zu erhalten. Hier macht uns aber die Physik einen Strich durch unsere Rechnung. Ironischerweise ist es nicht bei jedem Schlag der Punkt, an dem auch der Ball am meisten beschleunigt wird. Mehr dazu im Kapitel Spieleigenschaften.

Shockspot

Ab und zu kann es vorkommen, dass bei einem bestimmten Schlag es einem regelrecht in den Arm fährt. Der Ball wird nicht jedesmal sauber getroffen. Wird der Ball an bestimmten Stellen getroffen an denen ein Tennisspieler eine spürbare Rückmeldung erhält, so ist dafür der Sweetspot Nummer zwei verantwortlich: Der Shockspot. Jeder Tennisschläger hat einen Gewichtsschwerpunkt, der auch Balancepoint genannt wird. An dieser Stelle ist der Tennisschläger ausbalanciert. Was bedeutet dass unterhalb und oberhalb dieses Punktes das identische Gewicht ist. Trifft ein Ball direkt auf diesem Punkt auf, dann wird der Rücksto. durch den Tennisball lediglich in einen Impuls umgewandelt. Dabei wird sich der Tennisschläger parallel nach hinten bewegen.

Abbildung:
Der Tennisball trifft direkt im Balancepoint auf, dem Masseschwerpunkt des Tennisschlägers. Der Tennisschläger wird parallel nach hinten bewegt.

Trifft der Ball aber auf dem Saitenbett auf, also außerhalb des Balancepoints, dann wird der Rücksto. nicht nur in einen, sondern in zwei Impulse umgewandelt. Ein weiterer Impuls kommt hinzu, ein Drehimpuls. Der Drehimpuls wird den Kopf den Teil oberhalb des Drehpunkts nach hinten, entgegengesetzter Richtung des Balles stoßen. Der Griff, unterhalb des Drehpunkts  wird nach vorne drücken.

Abbildung:
Der Tennisball trifft außerhalb des Balancepoints auf dem Saitenbett auf. Der Tennisschläger bekommt durch die wirkenden Kräfte ein Drehmoment aufgezwungen.

Durch die Drehbewegung gibt es einen Punkt im Griff, an dem sich die beiden Drehmomente aufheben. Es ist der Drehpunkt an dem sich der Tennisschläger überhaupt nicht dreht. Hält ein Spieler den Griff exakt an diesem Punkt, würde er keinen Schock auf der Hand und im Arm spüren. Der Punkt auf dem Saitenbett ist der Shockspot.

Wenn der Tennisball weiter oberhalb des Shockspots getroffen wird, dann würde der Schläger versuchen, sich selbst aus der Hand zu reißen, in dem er die Finger öffnen wird. Dabei werden Kräfte ausgeübt, die es gilt mit einem starken zugreifen entgegenzuwirken. Wenn der Ball unterhalb des Shockspots getroffen wird, würde der Schläger in die Handfläche drücken. Auch hierbei muss durch starkes zugreifen verhindert werden, dass der Tennisschläger aus der Hand fliegt.

Ist der Punkt konstant? Wo sich der Punkt auf dem Schläger befindet hängt von zwei Faktoren ab. Der erste Faktor ist das Gewicht und die Verteilung. Was es jedoch schwierigen macht ist der zweite Faktor. Denn der Punkt ist davon abhängig wo der Griff gehalten wird. Das bedeutet, dass der Punkt nur herausgefunden werden kann, wenn auch der Punkt an dem die Hand aufliegt festgelegt ist. Wenn der Griff an einer anderen Stelle gehalten wird, dann wäre auch der Shockspot an einer anderen Stelle auf dem Saitenbett. Er ändert sich also relativ zu der Position wo er Tennisschläger gehalten wird.

Vibraspot

Bei jedem Schlag wird der Tennisschläger in Schwingungen versetzt. Die Schwingungen sind dabei für unser Auge nicht sichtbar. Wir können Sie aber hören. Denn der Ton wird durch Schwingungen erzeugt. Springt der Dämpfer während eines Spiels aus den Saiten, hören wir direkt ein höheren Ton. Die Tennissaiten schwingen dann in höheren Frequenzen. Nicht nur die Tennissaiten werden bei einem Schlag in Schwingungen versetzt, sondern auch der Schlägerrahmen. Es gibt eine Stelle auf dem Saitenbett, bei dem die Vibrationen bei einem Minimum sind. Das ist der Sweetspot Nummer Drei: Der Vibraspot.

Abbildung:
Der Vibraspot verläuft in einer Kurve auf dem Saitenbett. 

Anders als bei den ersten beiden Sweetspots, verläuft der Vibraspot in einer gekrümmten Kurve. Doch wird der Ball zu weit links oder rechts getroffen, ergeben sich wieder andere unerwünschte Effekte, wie bereits beschrieben. Der Vibraspot wird deshalb als Schnittpunkt mit der Längsachse bestimmt. Grundsätzlich gilt; je härter ein Tennisball getroffen wird, desto stärker sind die Vibrationen. Je weiter der Ball von diesem Punkt entfernt getroffen wird, desto stärker sind die Vibrationen. Und exakt an dem Punkt, an dem der Tennisschläger gar nicht vibriert ist der Vibraspot. In der folgenden Abbildung X.7 sehen Sie, wie sich ein unterschiedlicher Treffpunkt auf die Schwinungen auswirkt.

 

Der Griff des Schlägers befindet sich in einer festen Einspannung. Im ersten Graph A wurde der Tennisball exakt im Vibraspot getroffen. Im zweiten Graph B wurde der Tennisball nicht im Vibraspot getroffen.

Abbildung:
Vibrationen durch Ballaufprallen eines fest eingespannten Tennisschlägers.
A: Im Vibrapot / B: Außerhalb des Vibraspot

Was sagt Ihr Gefühl? Welcher Schlag wird sich besser in Ihrer Hand anfühlen? Man kann deutlich sehen, dass wenn der Ball inmitten des Vibrapots getroffen wird, die Schwingungen harmonischer sind. Genaußo wird es sich in ihrer Hand anfühlen. Noch deutlicher wird es, wenn die Schwingungen eines in der Hand gehalten Tennisschlägers betrachtet werden. In der folgenden Abbildung wurde der Ball im Vibraspot A und in der Nähe des oberen Rahmens B getroffen.

Abbildung:

Vibrationen durch Ballaufprallen eines fest eingespannten Tennisschlägers.
A: Im Vibrapot / B: Außerhalb des Vibraspot

Auch hier wird deutlich, dass die die Amplituden im zweiten Graph deutlich größer sind. Die Schwingungen sind also deutlich geringen, wenn der Ball im Vibraspot getroffen wurde. In der Praxis ist es jedoch schwer, den Ball immer exakt im Vibraspot zu treffen. Schwingt ein Tennisschläger in einem hohen Maß, wird das von einem Tennisspieler als unerwünscht wargenommen.

David gegen Goliath

Sobald ein Dämpfer auf dem Saitenbett angebracht ist hören wir direkt einen veränderten Ton. Was sich ohne Dämpfer wie ein Ping anhört, hört sich mit einem Dämpfer einiges Dumpfer an. Doch was kann ein 1-Gramm schwerer Dämpfer gegen die Schwingungen eines 300 Gramm schweren Rahmes bewirken? Leider kaum etwas. Die Verhältnisse sind einfach zu groß. Der Dämpfer besitzt zu wenig Masse, um die die Schwingungen des Rahmens abzunehmen. Was aber gedämpft wird, sind die Schwingungen der Tennissaiten. Der Schwingungsdämpfer nimmt den Tennissaiten schwingungen ab. Die Tennissaiten wiegen weitaus weniger, ungefähr 20 Mal weniger, als der Rahmen des Tennisschlägers und schwingen in höheren Frequenzen. Der Dämpfer ist hier durchaus in der Lage die Schwingungen zu dämpfen. Der Dämpfer wird dabei selbst in Schwingungen versetzt und nimmt sie so den Tennissaiten ab. Dadurch hören wir einen tieferen Ton der Tennissaiten.

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