Spieleigenschaften

Ein Grund der für die Auswahl eines passenden Tennisschlägers spricht, ist eine gute Armschonung zu erhalten, um so keine Verletzungen zu erleiden. Sind keine Armprobleme vorhanden, so kann mit Hilfe des richtigen Tennisschlägers, das eigene Spiel verbessert werden. Dabei kann nur eines beeinflusst werden: Die Spieleigenschaften. Unsere Ausrüstung ist dazu da, um bestimmte Spieleigenschaften unseres Tennis zu fördern, aber auch um vorhandene Schwächen auszugleichen.

Bewertet ein Tennisspieler einen Schlägerrahmen oder eine Tennissaite, gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit. Er kann nur bewerten, welches Vermögen der Tennisschläger hat, das eigene Spiel zu unterstützen. Dabei gibt es nur die folgenden Spieleigenschaften, für die eine Beurteilung Sinn machen: Das Ballgefühl, die Power, die Kontrolle und der Spin. Werden ganze Testreihen durchgeführt, um neue Tennissaiten oder Rahmen zu testen, so stellt sich die Frage, ob auch immer dafür gesorgt wurde, dass die anderen Bestandteile des Tennisschlägers komplett identisch sind. Das ist wichtig um repräsentative Ergebnisse zu erhalten. Denn wird ein Rahmen getestet und die Tennissaite und Besaitungshärte ist jedes mal unterschiedlich, so wird man auch sehr unterschiedliche Ergebnisse erhalten.

Das Fachjargon eines Tennisspielers

Wenn eine Bewertung eines Tennisspielers durchgeführt wird, werden nicht nur die genannten Spieleigenschaften beschrieben.

Die folgenden Adjektive sind aus dem Saitenforum entnommen, einem Spezial-Forum rund um Tennissaiten. Es wurde eine Luxilon Big Banger Alu Power 1.25 insgesamt 253 Mal bewertet und dabei die folgenden Adjektive verwendet: weich, angenehm, elastisch, flexibel, geschmeidig, lebendig, explosiv, dehnbar, streuend, starr, drahtartig, solide, knackig, präzise, dumpf, träge, langweilig, griffig, innovativ, veraltet, einzigartig.

Unternimmt man einen Versuch, die Adjektive den Spieleigenschaften zuzuordnen, kann es wie folgt aussehen. Den Spieleigenschaften lassen sich jeweils positive, wie negative Adjektive zuordnen.

Es lässt sich darüber diskutieren, welches Adjektiv, zu welcher Spieleigenschaft am eindeutigsten gehört. Eins wird aber ersichtlich. Ein Spieler beschreibt mit den unterschiedlichsten Worten immer eines: Die Spieleigenschaften.

Einfluss der Gedanken

Wie kann es möglich sein, dass der ein und derselbe Rahmen oder die ein und dieselbe Tennissaite unterschiedlich bewertet wird? Eins ist sicher, je nach Konstellation, verhält sich ein Rahmen oder eine Tennissaite unterschiedlich. Eine weitere These jedoch ist, dass die Empfindung des gespielten Tennisschlägers stark mit den Erwartungen eines Tennisspielers übereinstimmt. Ist ein Spieler voreingenommen und meint, dass diese eine Tennissaite mehr Spin generiert, dann wird das auf dem Platz tatsächlich so geschehen. Denn mit der Erwartung an mehr Spin ist unser gesamtes Wesen positiver, und es wird mit Motivation und Energie gespielt. Das lässt die Tennissaite mehr Spin generieren. Wenn ein Tennisspieler jedoch eine ablehnende Haltung gegenüber einer Tennissaite oder einem Rahmen einnimmt, so ist die Motivation niedrig und es wird mit wenig Energie gespielt. Der Einfluss unserer Gedanken auf unser Energiepotenzial ist längst bekannt. Positiv an solchen Tests ist aber zu sehen, dass sich mit ihnen einfach Tendenzen herausfinden lassen.

Ballgefühl

 

Profispieler verbringen Stunden auf dem Tennislatz um ein Gefühl für den Ball zu entwickeln; ein Gefühl für die unterschiedlichen Schläge. Mit diesem Gefühl können sie jederzeit feststellen, ob mit Ihrer Technik alles in Ordnung ist. Wenn ein Kind das Fahrradfahren erlernt, dann tut es genau das. Ein Gefühl für den Balanceakt zu gewinnen. Zu Beginn fehlt es dem Kind an Gleichgewicht, Timing und Erfahrung. Es hat keinerlei Gefühl für das Fahrradfahren.

Das Kind löst das Problem aber nicht dadurch, dass es entscheidende Tipps seines Fahrradtrainers bekommt. Anweisungen könnten so lauten: Verlagere deinen Schwerpunkt nach links oder rechts, halte die Balance, halte den Lenker mit beiden Händen ganz fest, usw. Dabei wird das Kind nicht durch die Anweisungen sicher mit dem Fahrradfahren, sondern nur durch die eigene Erfahrung. Meist wollen aber Tennisspieler genau das von Ihrem Trainer. Direkte Anweisungen zur Ausführung der Technik. Dabei gilt dasselbe wie ein Kind einst das Fahrradfahren gelernt hat: Es muss ein Gefühl angelernt werden. Das ist das natürliche lernen.

Doch von was für einem Gefühl sprechen wir bei einem Tennisschläger und wie kommt dieses Gefühl in den Tennisschläger? Wichtig ist nun zu differenzieren, von welchem Ballgefühl wir sprechen, wenn es rein um den Tennisschläger geht.

Ballgefühl und Kontrolle

Dazu müssen wir uns erst einmal die Frage stellen, was der Unterschied zwischen Ballgefühl und Kontrolle ist. Es wird argumentiert, dass für schnelle Schläge Kontrolle notwendig ist und für langsame Schläge Ballgefühl.

Bei einem schnellen Schlag ist die Schwierigkeit diesen genau zu platzieren. Es können hier bereits wenige Zentimeter oder sogar Millimeter über einen Punkt entscheiden. Bei langsamen Schlägen jedoch, hat ein Tennisspieler bereits durch die geringere Zuschlaggeschwindigkeit eine grundsätzlich bessere Kontrolle über den Tennisball. Gerade bei langsamen Schlägen, zum Beispiel bei einem Stoppball, ist das Ballgefühl entscheidend. Bei diesen Schlägen ist es wichtig, den Tennisball in Richtung, Winkel und Ausgangsgeschwindigkeit exakt zu dosieren. Ballgefühl und Kontrolle müssen demnach entgegengesetzt wirken.

Die Kontaktzeit in Bezug auf das Ballgefühl

Technisch gesehen wird das Ballgefühl durch die Kontaktzeit des Tennisballs auf dem Saitenbett beschrieben. Ist der Kontakt mit dem Saitenbett länger, hat ein Tennisspieler bessere Möglichkeiten den Ball zu beeinflussen und bekommt so direkt das bessere Gefühl. Hat der Tennisball eine sehr kurze Kontaktzeit mit dem Saitenbett, so ist die Kontrolle besser. Die Kontaktzeit ist dabei bedingt durch ein weiches oder ein entsprechend hartes Saitenbett.

 

Power

Power ist die am meisten diskutierte Charakteristik eines Tennisschlägers. Schaut man sich das moderne Spiel an, so ist es deutlich schneller geworden, als es noch vor einigen Jahren war. Dafür wird vor allem der Tennisschläger verantwortlich gemacht. Denn auch die Tennisprofis früherer Zeiten waren Topathleten.

Maximale Ballbeschleunigung

Im letzten Kapitel haben Sie den Powerspot kennengelernt. Das ist der Punkt, an welchem der Tennisschläger die höchste Power generiert. Doch ist es auch der Punkt an dem im Spiel die höchste Ballbeschleunigung die Folge ist?

Hierbei macht uns die Physik einen Strich durch die Rechnung. Zunächst mag das verwunderlich sein. Der Powerspot ist aber nicht bei jedem Schlag der Punkt, an dem der Tennisball am schnellsten beschleunigt wird. Bei einer Schwungbewegung wird der Tennisschläger in einem bestimmten Radius geschwungen. Der Punkt von dem aus geschwungen wird, ist die Rotationsachse, die sich in der Schulter, Ellenbogen und Handgelenk befindet. Genauer genommen aus einer Kombination dieser, weil sich der Arm während einer Zuschlagbewegung in Abschnitten beschleunigt und wieder verlangsamt.

Der Teil des Tennisschlägers, der am weitesten von der Rotationsachse entfernt ist, bewegt sich dabei am schnellsten. Der Grund dafür ist, dass sich der Griff direkt an der Rotationsachse befindet, und er somit in der selben Zeit eine vergleichsweise viel kürzere Strecke zurücklegt, als der Kopf. Der äußerste Punkt des Kopfs legt dabei die längste Strecke in der selben Zeit zurück. Anders gesagt herrschen weiter oben höhere Geschwindigkeiten als weiter unten.

Rein aus dieser Sicht macht es Sinn, den Ball so weit oben wie möglich zu treffen, damit die höchste Power generiert wird. Doch wir wissen bereits mehr. Denn der Powerspot befindet sich weit unten im Tennisschläger. Also doch weiter unten treffen?

Abbildung:
Verschiedene Geschwindigkeiten bei einer Zuschlagbewegung.

An welchem Punkt des Saitenbetts der Ball am schnellsten beschleunigt wird, hängt von der Rebound Power und der Zuschlaggeschwindigkeit ab. Bei einem Volley zum Beispiel, wenn der Schläger nur hingehalten wird, wird der Tennisschläger im Powerspot auch die höchst mögliche Power generieren. Je schneller der Schläger aber geschwungen wird, desto größer wird die Ballbeschleunigung jedoch zum Kopf hin. Dazu eine Berechnung. Wir legen folgende Daten fest.

Die Rebound Power des Tennisschlägers oben auf 12 Uhr beträgt: 0,1.

Die Rebound Power zum Herz im Power Spot beträgt 0,4.

Der Ball trifft mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h auf dem Schläger auf. Die Geschwindigkeit des Tennisschlägers beim Auftreffen des Tennisballs variiert dabei, je nachdem an welcher Stelle der Tennisball getroffen wurde.

Wir legen folgende Geschwindigkeit für den Tennisschläger fest:

Ganz oben auf dem Saitenbett: 120 km/h
Ganz unten auf dem Saitenbett: 60km/h

Berechnung 1: Ballgeschwindigkeit wenn der Ball außerhalb des Powerspots getroffen wird:

Schwunggeschwindigkeit: 120 km/h
Ballgeschwindigkeit: 30 km/h
Relative Geschwindigkeit: 120 km/h + 30 km/h = 150 km/h (Schläger + Ball)
Rebound Geschwindigkeit: 150 km/h * 0,1 = 15 km/h

Ballgeschwindigkeit: 15 km/h + 120 km/h = 135 km/h

Berechnung 2: Geschwindigkeit wenn der Ball im Power Spot getroffen wird:

Schwunggeschwindigkeit: 60 km/h
Ballgeschwindigkeit: 30 km/h
Relative Geschwindigkeit: 60 km/h + 30 km/h = 90 km/h (Schläger + Ball)
Rebound Geschwindigkeit: 90 km/h * 0,4 = 36 km/h

Ballgeschwindigkeit: 36 km/h + 60km/h = 96 km/h

Trotz der niedrigeren Rebound Power weiter unten auf dem Saitenbett, macht die höhere Schwunggeschwindigkeit des Tennisschlägers den Ball schneller.

Eine tote Saite bringt weniger Power?

Eine Tennissaite verliert mit der Zeit an Spannung. Ist das passiert wird sie als tot beschrieben. Nehmen wir an, dass die Tennissaite noch nicht ganz tot ist. Der klinische Tod tritt wahrscheinlich mit dem Reißen einer Tennissaite ein. Geglaubt wird, dass eine fast tote Saite für weniger Power sorgt. Das ist jedoch ein Widerspruch, denn durch den Spannungsverlust, erhöht sich die Rebound Power. Wird Spannung von der Tennissaite genommen, erhöht sich die Power.

Warum wird es dennoch als ein Verlust an Power empfunden? Ein Grund könnte folgender sein. Der mehr Power zu trotz, passt der Tennisspieler sein Schlag an und schlägt nicht mehr so hart zu. Durch die geringere Zuschlaggeschwindigkeit sinkt aber die Geschwindigkeit des Balles stärker, als durch die mehr Power durch den Spannungsverlust generiert wird. Ironischerweise wird also durch das mehr an Power weniger Power generiert.

Lässt man den Tennisspieler außen vor, wird aber defenititv mit einem weichen Saitenbett mehr Power generiert. Ein weiterer Grund könnte noch dazu kommen. Durch das anfängliche harte Saitenbett lastet ein größerer Schock auf dem Arm. Verliert die Saite an Spannung, erhält der Tennisspieler durch das weichere Saitenbett einen geringerer Schock auf den Arm. Das kann von einem Tennisspieler als weniger harter Schlag interpretiert werden.

 

Kontrolle

Um den Tennisball so präzise wie möglich zu schlagen, muss mit Hilfe der Zuschlagsgeschwindigkeit, Spin und dem richtigen Winkel der Tennisball auf Spur gebracht werden. Der Tennisspieler hat bei der Kontrolle des Tennisballs daher eine wichtige Rolle. Doch nehmen wir an, ein Tennisspieler besitzt das Talent, die Bälle so exakt zu spielen wie es überhaupt nur möglich ist. Auf den Millimeter genau. Auch bei einem saubereren Treffer, unterliegt der Tennisball einem gewissen Streuwinkel, in dem der Tennisball auf der gegnerischen Seite eintreffen wird. Der Tennisschläger hat dabei eine entscheidende Rolle.

Einfallswinkel = Ausfallswinkel

Die Kontrolle eines Tennisschlägers kann wie folgt gemessen werden. Man beschießt einen fixierten Tennisschläger mit einem Tennisball unter einem bestimmten Winkel. Laut dem Reflexionsgesetz muss der Einfallswinkel genauso groß sein, wie der Ausfallswinkel. Jeder der schon einmal Billard gespielt hat, ist wohl an dieser einfachen Tatsache schon verzweifelt. Aus diesem Verhältnis kann die Kontrolle gemessen werden. Je kleiner die Differenz zwischen dem Einfallwinkel und Ausfallwinkel ist, desto größer ist die Kontrolle.

Eine Kritik dieser Testmethode ist, dass sich zum Beispiel bei einem Spinschlag mit starker Kopfrotation der Ausfallswinkel verschiebt. Dadurch findet das Gesetz keine Beachtung mehr. Weiter wird der Tennisschläger durch die Krafteinwirkung nach hinten gedrückt, was den Winkel ändert. Zum anderen wird der Tennisball nicht immer zentral getroffen, so dreht sich der Tennisschläger um die Längsachse vergleichbar einer Schraube. Unterschiedliche Tennisschläger werden aber allesamt stationär und nicht während des Spielens gemessen. So kann doch herausgefunden werden, welcher die beste Kontrolle bietet.

Kontrolle und Power

Hat ein Schläger eine hohe Power, hat er auch eine hohe Kontrolle. Eins darf dabei nicht verwechselt werden. Denn umso stärker zugeschlagen wird, umso weniger Kontrolle hat man. Aber das ist nicht die Schuld des Tennisschlägers. Ein Tennisschläger mit einer hohen Power hat so meist auch eine gute Kontrolle. Denn alle Faktoren die die Power beeinflussen; beeinflussen auch meistens die Kontrolle in einer Positiven weiße. Die einzige Ausnahme ist die Tennissaiten. Hier verhält sich Power und Kontrolle widersprüchlich. Hat man ein steifes Saitenbett, hat man eine hohe Kontrolle, aber wenig Power. Der Grund hierfür ist, dass der Tennisball bei einem weichen Saitenbett kürzer auf dem Schläger verweilt und so den Schläger weniger zurück stößt. Zudem ist der Tennisball bei einem nicht so großen Radius auf dem Schläger, wodurch der Ball einfacher zu kontrollieren ist.

Kontaktzeit und Kontaktdistanz

Wir haben bereits schon die Verweildistanz kennengelernt. Sie sagt aus, über welche Distanz der Tennisball auf dem Schläger mitwandert. Wie sieht es mit der Kontrolle aus, wenn die Kontaktzeit verlängert wird? Dazu eine Berechnung die vereinfacht wird und zur Veranschaulichung dienen soll.

Schwunggeschwindigkeit: 80 km/h
Distanz von der einen zur anderen Grundlinie: 23,77 Meter
Radius der Schulter: 100 Zentimeter

Der Winkel ändet sich durch die verkürzte Kontaktdistanz um ca. 1 ° was auf der andere Seite bis zu 50 Zentimerter Streuung bedeuten kann. Durch Änderung der Besaitungshärte und damit ein härteres Saitenbett wird auch die Kontaktdistanz kürzer, was für eine bessere Kontrolle sorgt.

 

Spin

Spin spielt in nahezu allen Ballsportarten eine wichtige Rolle. Im Fußball ändert der Spin die Flugbahn des Balles. So entsteht eine Bananenflanke. Im Baseball wirft der Pitcher den Ball mit einem Seitenspin um dem Batter das Leben schwer zu machen. Auch im Tennis wird das moderne Spiel von Spin dominiert. Der Grund dafür ist einfach. Mit Spin kann der Ball sehr schnell gespielt werden und wird durch die Flugbahn dennoch nicht im Aus landen. Der Spinschlag unterscheidet sich zu einem normalen Schlag, weil dieser durch die Zuschlagbewegung den Tennisball auf Umdrehungen gebracht wird.

Abbildung:
Die typische Flugbahn eines Balles mit Topspin.

Es werden dabei zwei unterschiedliche Schläge mit Spin gespielt:

  • Topsin

  • Backspin, ein Slice

Der Unterschied liegt dabei in der Rotation des Balles. Der Spin wird üblicherweise in RPM angegeben. RPM steht für „Revolutions per Minute“, auf deutsch „Umdrehungen pro Minute“.

Abbildung:
Unterschiedliche Drehrichtung des Tennisballs

Drei Naturkräfte in Arbeit

Nach dem Schlag geht der Tennisball seinen Weg. Wenn er erst einmal das Saitenbett verlassen hat, besteht keine Möglichkeit mehr, ihn in irgendeiner Weise zu beeinflussen. Er ist dabei aber bestimmten Kräften ausgesetzt. Diese sind:

  • Erdanziehungskraft (Der Ball will zum Boden zurück)

  • Luftwiderstand (Der Ball wird abgebremst)

  • Magnus-Effekt (Der Ball fliegt in einer Kurve)

Erdanziehungskraft

Die Erdanziehungskraft sorgt dafür, dass der Ball zum Boden zurückkehrt. Diese Kraft zieht den Ball in nur eine Richtung, senkrecht nach unten. Das passiert auch sehr zuverlässig, wie wir zum Beispiel beobachten können, wenn der Apfel zu Boden fällt.

Luftwiderstand

Der Luftwiderstand wird den Ball während des Flugs durch die Luft abbremsen. Da die umgebende Luft ein Stoff ist, handelt es sich um eine Sonderform des Reibungswiderstands. Auch den Luftwiderstand hat schon jeder erfahren, der bei starkem Wind spazieren war.

Wird ein Ball mit 30 km/h gespielt, erfährt er dabei einen bestimmten Luftwiderstand. Wird der Ball doppelt so schnell mit 60 km/h gespielt, ist aber der Luftwiderstand aber nicht doppelt so groß, sondern 4-Fach. Denn der Luftwiderstand wächst mit dem Quadrat der Ballgeschwindigkeit. Doppelt so schnell gespielt und das 4-Fache abgebremst. Irgendwie gemein. Widerstand scheint zwecklos zu sein.

Auch der Winddruck wächst mit dem Quadrat der Windgeschwindigkeit. Kämpfen Sie also auf der einen Seite des Platzes gegen den Wind an, rät es sich nach einem Seitenwechsel nicht gleich hart zuzuschlagen. Was erst ein Widerstand war, ist auf der anderen Seite Rückenwind. Ein Wind mit 20 km/h wird also 4-mal so stark auf den Ball einwirken, als ein Wind mit 10 km/h. Und pustet der Wind mit 30 km/h ist er 9-mal stärker. Gerade also beim Aufschlag gilt: Warten Sie eine Wind und böenfreie Sekunde ab.

Der Magnus-Effekt

Der Magnus-Effekt sorgt nun aber endlich für die spintypische Flugbahn des Balles. Damit der Magnus-Effekt überhaupt seine Arbeit beginnt, muss zuerst einmal der Ball in eine Rotation versetzt werden. Dafür ist der Tennisspieler verantwortlich. Durch den entsprechenden Schlag, entweder ein Topspin, oder ein Backspin (Slice) wird der Ball auf Umdrehungen gebracht.

Der Ball muss sich regelrecht durch die Luft quetschen. Die Luft strömt dabei oberhalb und unterhalb an dem Tennisball vorbei. Die Luft besteht aus kleinen Teilchen, diese müssen alle an dem Tennisball vorbei.

Abbildung:
Der Magnus-Effekt

Die Teilchen reiben sich dabei an dem Tennisball. Durch die Oberfläche des Tennisballs, dank dem Filz, ist dieser Effekt zusätzlich verstärkt. Die Teilchen müssen sich durch den Filz-Urwald des Tennisballs kämpfen. Da der Ball sich bei einem Topspin-Schlag nach rechts dreht, kann die Luft unten schneller vorbeiströmen. Dies entspricht nämlich der Drehrichtungs des Balles. An der Oberseite aber können die Luftteilchen nicht so leicht an dem Ball vorbeiströmen, denn oberhalb dreht sich der Ball nach rechts und somit entgegengesetzter Richtung des Luftstroms. Zum gleichen Zeitpunkt befinden sich unterhalb des Balles weniger Teilchen als oberhalb des Balles. Durch die mehr Teilchen oberhalb, herrscht oben ein größerer Luftdruck. Dort befinden sich nämlich viele Teilchen auf engem Raum.

Wird oben der Druck höher, wird dies den Ball nach unten ablenken. Und so nimmt der Ball letztendlich die typische Flugbahn eines Topspins-Schlag ein. Der Magnus-Effekt wird zudem durch Luftverwirbelungen hinter dem Ball verstärkt. Je sträker der Ball in Rotation versetzt wird, umso stärker wirkt der Effekt.

Wie Sie maximalen Spin generieren

Normalerweise betrachten wir einen Schlag immer wie folgt. Der Tennisball erreicht den Tennisschläger und gleitet dabei über das Saitenbett. Wir ändern nun einmal die Perspektive. Bei einem Schlag, erreicht der Tennisschläger den Tennisball. Dabei gleitet das Saitenbett über die Rückseite des Balles. Eigentlich ist es das selbe. Aber es zeigt wie maximaler Spin generiert wird. Bei einem geraden Schlag, wird der Tennisschläger nur in Richtung des Balles geführt. Bei dem Topspin-Schlag kommt hinzu, dass nicht nur eine Vorwärtsbewegung beim Schlagen stattfindet. Der Tennisschläger wird zeitgleich vertikal von unten nach oben bewegt. Je schneller das passiert, desto mehr Spin bekommt der Ball. Das ist es im Grunde genommen auch, was es vor allem zu berücksichtigen gilt. So zeigt auch ein Vergleich von Topspin und Slice, dass bei einem Slice der Ball sich deutlich stärker dreht. Auch hier wird also mit einer geringeren Vorwärtsbewegung mehr Spin generiert.

Warum ein Kompromiss notwendig ist

Stellen Sie sich vor, es gibt den perfekten Tennisschläger. Alles stimmt, er schont maximal die Arme, generiert den meisten Spin, die meiste Power, bietet die höchst mögliche Kontrolle und bietet das best mögliche Ballgefühl. Haben Sie sich schon gefragt warum es nicht den einen perfekten Tennisschläger gibt?

 

Es ist schlichtweg nicht möglich. Dadurch, dass wir nicht alle das gleiche Tennis spielen, muss jeder Spieler seinen individuellen Tennisschläger finden. Ein guter Tennisschläger ist auch deshalb jener, der am Besten zu Ihnen und Ihrem Spiel passt.

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